SQS

Wir spekulieren: Alles ist transparent. Nutzerprofile in sozialen Netzwerken werden (u.a. durch Trends wie „Quantified Self” und „Frictionless Sharing”) zunehmend zu digitalen Fu��abdrücken realer Personen. Die Differenzierung zwischen Online- und Offline-Handeln verschwindet.

Wir spielen: Das Gesellschaftsspiel „SQS” nimmt vorweg, wie es sich anfühlen könnte, wenn dieser Trend zur technischen und sozialen Norm würde und wir Teil einer vollständig transparenten sozialen Gemeinschaft wären, in der alles, was wir tun, der unmittelbaren Bewertung durch das System und der anderen Nutzer unterliegt.

Spielelemente

SQS-redesign

Profilansicht

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Wenn (fast) alles quantifizierbar und gleichzeitig sichtbar ist, dann könnte in einer digitalen Community der nächsten Generation die Identität eines Teilnehmers durch sein quantifiziertes IST (ab)gebildet werden. Dies beginnt mit dem sichtbaren Profil. Dem gegenüber steht ein individuelles (wahrscheinlich abweichendes) SOLL zur Erreichung kurz- und/oder langfristiger Ziele (Target Performance) in unterschiedlichen Lebensbereichen. Das Wunschprofil kann nicht (wie bislang) behauptet oder simuliert oder an verschiedene soziale Kontexte angepasst kommuniziert werden (Inspiration: Johari-Fenster n. Luft/Ingham 1955). Um die eigene Selbstdarstellung positiv zu beeinflussen und sich in die soziale Gemeinschaft zu integrieren, müssen stattdessen stets mess- und sichtbare Aktivitäten ausgeführt werden, die die eigene Profilentwicklung begünstigen. Wer vom System als sportlich und gesund, als beruflich erfolgreich und als sozial kompatibel eingestuft werden will, der muss sich im realen Leben auch so verhalten.

Spekulativer Wirkungskreis

 persuasiver-wirkungskreis-fq Spekulative Theorie in Anlehnung an das Johari-Fenster (n. Luft/Ingham 1955)

Abb.3_Joharism

SQS übernimmt zunächst die Grundprinzipien des Vernetzens und Teilens vertrauter Plattformen wie Facebook und Google+. In einem fiktiv erweiterten sozialen Netzwerkspiel ändern wir jedoch ein grundlegendes Feature: Die uns heute noch selbstverst����������ndlich erscheinende Funktion „Profil bearbeiten“. Sie wird ersetzt durch ���Frictionless Quantification��� (FQ), ein spekulatives Feature, das in unmittelbarer Zukunft eine Default-Einstellung sozialer Netzwerke sein könnte.

regelkreis-fq

„Frictionless Quantification” (FQ) ist eine Kreuzung aus Selbst-Tracking bzw. Quantify Yourself-Techniken (die möglichst lückenlose Erfassung von Daten über sich selbst) und Frictionless Sharing (das unmittelbare öffentliche Teilen von Daten über sich). Auf der Basis von Frictionless Quantification erhebt SQS transparente Selbstvermessung testweise zur technischen und sozialen Norm. In einem fiktiven Handlungsrahmen generieren sich Nutzerprofile ausschlie��lich auf der Basis von quantifizierbaren und algorithmisch interpretierten Daten. Direkte Eingriffs- und Gestaltungsmöglichkeiten durch den Nutzer sind nicht mehr nötig/möglich. Stattdessen legen die totale und transparente Quantifizierung aller Lebensbereiche zugrunde (Gesundheit, Zeitmanagement, Work-Life-Balance, Effizienz, Erfolg, Sozialkompetenz, Finanzgebaren, etc.). Die digitale Repräsentation des Selbst wird vollständig vom System übernommen – mit allen daraus resultierenden Implikationen. Manuelles Eingreifen, z.B. das Angeben von Interessen und Präferenzen, das Posten nur bestimmter Ereignisse und anderer nicht, ist nicht mehr möglich. FQ beschreibt also die totale Vermessung und Transparenz nahezu aller Lebensbereiche (der Einfachheit und Spielbarkeit halber beschränken wir uns auf Gesundheit, Arbeit und Sozialleben).

Weitere Materialien zum Projekt auf unserem SQS Blog.

SQS wurde im Rahmen der von Klaus Gasteier und Daniela Kuka ins Leben gerufenen Special Interest Group “Mensch-Maschine-Persuasion” im Master-Studiengang Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation an der Universität der Künste konzipiert und in mehreren prototypischen Ausbaustufen gemeinsam mit den Studierenden Gerald Dissen, Ekaterina Karabasheva, Anne-Kristin Müller, Paul Schulze Niehues, Sebastian Prassek, Jan Winklmann, Eva Zahneißen, Natalija Krasnoperova und Janek Sebastian Nahm entwickelt.